Qualität

Wir sind davon überzeugt, dass ein Freiwilligendienst Einstieg statt Auszeit bedeutet und jungen Menschen wertvolle Kompetenzen vermittelt und weitreichende Chancen eröffnet. Die Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH, als freier Träger der Jugendhilfe mit vielseitigen Projekten, möchte ihr Knowhow an engagierte Menschen weitergeben und sie von ihrer Erfahrung partizipieren lassen. Die Freiwilligen lernen selbstbestimmt zu handeln sowie engagiert und verantwortungsbewusst mit anderen Menschen zu agieren. Außerdem unterstützen wir junge Menschen darin, ihre Persönlichkeit weiter zu entwickeln, soziale Berufsfelder kennen zu lernen und die persönliche Eignung für einen pädagogischen Beruf zu erproben.

Hierfür stehen den Freiwilligen neben den jeweiligen Anleiterinnen und Anleitern in den Einsatzstellen, die länderspezifisch zuständigen Koordinatorinnen und Koordinatoren in den „Servicestellen Freiwilligendienste“ sowie die Infrastruktur des Trägers unterstützend zur Seite. Die Blockseminare werden inhaltlich gemeinsam verantwortet und in verschiedenen Bundesländern angeboten. Zusätzlich wird der Bereich durch interne und externe Expertise unterstützt.

Unsere Seminare (Tages- wie Blockseminare) erheben den Anspruch, einen Erkenntnisgewinn zu generieren, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und lustvolles Lernen zu ermöglichen. Dabei sind die Freiwilligen zur aktiven Mitgestaltung aufgefordert. Die Seminare bieten zudem ausreichend Zeit zum Austausch untereinander und zur Reflexion. Inhaltlich sind die Seminare auf den Wissensstand und die Bedarfe der Freiwilligen zugeschnitten. Die Angebote werden im Einzelnen ausgewertet und evaluiert.

Die Jugendfreiwilligendienste fördern als berufliches Orientierungsjahr Kompetenzen, die am Arbeitsmarkt relevant sind und bei einer realistischen Berufswahl helfen. Jugendliche erhalten durch ihre praktischen Tätigkeiten einen Einblick in das Arbeitsleben, übernehmen Verantwortung und bekommen gravierende Hinweise und Anstöße. Das Freiwillige Soziale Jahr erhält somit eine besondere Bedeutung hinsichtlich des umfassenden Kompetenzerwerbs und der vorberuflichen Bildung.

Auf der Grundlage einer gemeinsamen Rahmenkonzeption, einer länderübergreifenden Evaluation und unter Anwendung eines Qualitätsmanagementsystems entwickelt sich der Bereich Freiwilligendienste bei der tjfbg gGmbH stetig fort.

Lena Rutkowski

Physik, Mathematik und Sprachen.

Wenn mich heute jemand fragt, was ich in 12 Jahren Schule gelernt habe, dann beantworte ich diese Frage gern damit, dass man mir beigebracht hat Fantasie gegen Leistungen auszutauschen und Interesse gegen Druck. Verbindet man beides zu "Leistungsdruck", hat man mit einem Wort meine bisherige Schullaufbahn beschrieben.

Ich bin eine Optimistin und erinnere mich gern an schöne Zeiten. Als Kind habe ich mit Leidenschaft gebastelt, gemalt und die Welt durch die Augen eines Entdeckers gesehen. Die Entscheidung ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren habe ich somit aus verschiedenen Gründen getroffen. Ich wollte mich und meine (sozialen) Stärken wiederentdecken. Ich wollte endlich Gefallen an dem finden, was ich tagtäglich mache. Ich wollte etwas erleben und nebenbei Klarheit über meinen zukünftigen Lebenslauf gewinnen. Soweit zu den Gründen, die mich aufgrund meiner Persönlichkeitsentwicklung dazu veranlasst haben. 

Außerdem ausschlaggebend für die Entscheidung mich an einer Grundschule zu bewerben war, dass ich vorhatte meinen Teil dazu beizutragen, dass das Interesse, die Fantasie und der Entdeckergeist der Kinder (zumindest solange sie noch Kinder sind) ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben bleibt. Wenn ich noch weiter ausführen müsste, weshalb die mir wichtigen Inhalte eines Kinderlebens zu kurz kommen, könnte ich hier noch auf den Medienkonsum, die Leistungsgesellschaft und das deutsche Bildungssystem verweisen, um Ihnen vor Augen zu führen, wie ernst die Lage ist. Allerdings würde das den Rahmen erheblich sprengen.Sie sehen also, es gab von meinem Standpunkt aus betrachtet eine Menge Gründe mich ein Jahr lang in eine Grundschule zu begeben und Erfahrungen zu sammeln.

Ich genoss die Zeit als FSJlerin in der Schule. Wie bei jeder Arbeit gab es natürlich Auf und Abs. Ich wurde schnell erschöpft oder angespannt an manchen Tagen, da mich die 39 Stunden-Woche sehr einnahm und ich mit meiner Arbeit für mich allein verantwortlich war. Außerdem brauchte es seine Zeit bis ich soweit angekommen war, dass ich selbstständig Angebote machen konnte. Die Selbstständigkeit hatte ich vom ersten Tag an, allerdings fehlten mir das Zutrauen und die Routine um wirklich eine Idee umzusetzen. Stück für Stück tastete ich mich an immer größere Aufgaben heran.

Ich begann mit dem Basteln kleiner Bücher, die bald das Interesse vieler Klassen und Erzieher weckten. Spätestens als ich für ein paar Wochen die Verantwortung einer Klasse übernahm, begann ich mit den Kindern größere Projekte, wie zum Beispiel mein „Graskopfprojekt“ in Angriff zu nehmen. Ich plante, kaufte ein, setzte in die Tat um und wertete aus. Die Angebote waren immer ein Erfolg. Sie bereiteten den Kindern viel Spaß und machten mich stolz. Wenn etwas mal nicht so lief wie geplant, konnten wir gemeinsam versuchen herauszufinden woran es lag und uns darauf einigen wieder etwas dazugelernt zu haben.Es war ein gutes Gefühl von den Kindern gebraucht und gefordert zu werden. Manchmal musste ich jedoch direkte Antworten auf bestimmte Fragen verwehren. Das klingt vielleicht ein wenig hart, aber ich möchte versuchen Ihnen das zu erklären: In dem Seminar „Theaterpädagogik“ wurde mir erstmals vor Augen geführt, dass auch ich, trotz meiner Abwehrhaltung, unbewusst auf Leistungen und Ergebnisse getrimmt bin. Viele Spiele und Aufgaben wurden uns erteilt und wir ertappten uns immer wieder dabei nicht den Spaß sondern den Sinn und das Ziel in den Vordergrund gestellt zu haben. Eine für mich bedeutende Erkenntnis, die ich gleich bei der Arbeit mit den Kindern nutzen wollte. Ich bemerkte, dass sie oft fragten, ob das so „gut/schön ist“ oder was das bringen soll. Folglich begann ich nicht auf diese Fragen zu antworten sondern anders zu reagieren. Ich erklärte ihnen, dass jeder ein anderes Verständnis von „gut“, „schlecht“ und „schön“ hat und dass das Ergebnis nicht immer wichtig ist, sondern auch die Zeit bis dahin. Es war sehr schön zu sehen, dass die Kinder irgendwann begriffen, was ich meinte und sichtlich entspannter wurden.

Ich lernte jedoch in diesem Jahr noch viel mehr. Ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit war auch mit den Kindern zusammen Regeln zu entwerfen und darauf zu achten, dass diese eingehalten werden. Dabei beobachtete ich viele verschiedene Herangehensweisen unter den Kollegen. Ich entwickelte nach einiger Zeit eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit den Kindern, dadurch dass ich mich erst einmal in die Beobachter-Perspektive begab. Ich sah, dass sie viele Dinge auch gut von sich aus regeln konnten oder ein einfacher Blickkontakt mit mir schon Wunder wirken kann. Vielleicht ist das auch schon einer meiner besten Ratschläge, die ich geben kann: Situationen vollständig einzuordnen bevor man sich entscheidet zu handeln. Natürlich gab es Aussagen und Handgreiflichkeiten unter den Kindern, bei denen man sofort einschreiten musste. Allerdings handelte ich dann meist intuitiv und bin auch der Meinung, dass es für solche Momente keinen Leitfaden gibt an den man sich halten kann. Entweder man kann handeln oder man sucht sich schnell Hilfe und nichts von beiden ist in meinen Augen schlechter als das Andere.

Neben diesen Dingen legte ich auch Wert auf meinen Umgang mit den Eltern. Ich wusste, dass die Elternarbeit kein Bestandteil meines Aufgabenbereichs ist. Trotzdem war mir persönlich eine Sache sehr wichtig. Ich wollte immer versuchen Verständnis für die Anliegen aufzubringen und nie vergessen mal die Perspektive zu wechseln. Für die Erzieher sind die Kinder einer Klasse alle „gleichwertig“ und Extrawürste sind nicht an der Tagesordnung. Aber wer kann Eltern übel nehmen, dass sie sich manchmal genau das für ihr eigenes Kind wünschen? In meinen Augen ist das etwas ganz natürliches. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Anforderungen an mich in diesem Punkt gerecht werden konnte.

Die letzten Worte möchte ich dem Arbeitsleben, meinen Kollegen und den Kindern widmen. Ich habe nicht damit gerechnet derart ernst genommen zu werden. Das fängt für mich schon bei Urlaubsanträgen, Anwesenheitslisten und Mitarbeitergesprächen an. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich nicht überrascht und perplex war, als ich in die Arbeit eingeführt wurde. Ich konnte es aber nach einiger Zeit nachvollziehen und bin im Nachhinein sehr froh darüber, schließlich habe ich auch in dieser Hinsicht wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Außerdem möchte ich mich bei allen Kollegen für die tolle Zeit bedanken. Ich möchte „Danke“ sagen, für jedes nette Wort, für jede Hilfe und für die gute Laune, mit der ich mich jedes Mal hab anstecken lassen. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich in einem so lustigen und vielfältigen Team herzlich aufgenommen wurde. Die Zusammenarbeit hat mir jedes Mal große Freude bereitet und ich schätze jeden einzelnen meiner Kollegen sehr.

Nicht weniger bedanke ich mich bei den Kindern. Sie waren es, die mir die Zeit hier kunterbunt gezaubert und mich immer auf Trab gehalten haben. Ich wünsche mir für sie nur das Beste und, dass sie immer ein Stück ihrer Kindheit behalten.

Jetzt sind es nur noch wenige Wochen bis zu meinem Abschied und ich weiß jetzt schon, dass ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen werde. 

mit freundlichen Grüßen
Lena Rutkowski